Dienstag, 27. Januar 2009

Globale soziale Sicherheit, Grundeinkommen - weltweit?






Grundeinkommen – weltweit?



Was tun?





Aus der hier eingenommenen Perspektive sollte deutlich sein, dass jeder Versuch, diese Problematik mit einem „ trotzdem“ zu beantworten und althergebrachte Kategorien im Hinblick auf ein „immer schon“ zu hypostasieren, aus sich heraus zum Scheitern verurteilt ist. Jeder Versuch, in der modernen Vielfalt einer Globalisierten Welt einzelne Problemsichten zu privilegieren – seien es nationale, seien es die von einzelnen gesellschaftlichen Schichten, von Branchen und Berufsgruppen, von politischen Richtungen und Ideologien oder seien es auch nur die wie immer als „grundlegend“ erlebten Produktivitäts- oder Brauchbarkeitszurechnungen zu bestimmten Arten von Arbeit – wird vor dem Aufwand zu stehen kommen, den dies in der modernen Arbeitswelt notwendig bedeutet. Die Kosten, in der Vielfalt der hochspezialisierten Arbeiten und in der Dynamik ihrer jeweiligen Halbwertszeit, einige bestimmte Artbeitsarten und Arbeitsleistungen als brauchbarer, produktiver oder wertvoller denn anderer auszuweisen, müssen auf längere Sicht höher ausfallen, als durch diese Arbeit selbst an Gewinn eingefahren werden kann.



Die Problematik aktueller Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in unseren Breiten weist bereits deutlich auf diesen Umstand hin: keine Regulierung mehr, für die sich keine Ausnahme findet, kein Bedürfigkeitsfeststellung, die dann nicht doch irgendeine Art von Bedürftigkeit außer Acht lässt, keine Arbeitswilligkeitsdemonstration, die nicht unzählige Möglichkeiten bietet, sie nur vorzutäuschen. Und keine Nachbesserung, die nicht ihrerseits sofort wieder Nachbesserung braucht. Wenn der Fragebogen zur Feststellung von Unterstützungsberechtigung in Reaktion auf seine eigene Definition dahingehend definiert wird, dass ja keine ersichtlichen Sozialleistungen mehr vorkommen, so fehlen im nächsten Schritt die Beamten, um ihn noch angemessen zu bearbeiten. Sie sind schlichtweg zu teuer.




Es scheint, anders gesagt, eher mehr Generalität denn weniger notwendig zu sein, mehr strategisch plaziertes Nichtwissen, denn weniger. Zu genau wissen zu wollen, welche der heute weltweit angebotenen menschlichen Problemlösungsaktivitäten unmittelbar brauchbar, produktiv und damit wertvoll sind oder in relevanter Zeit werden, ist unter hochdifferenzierten und sich dynamisch entwickelnden Bedingungen, wie sie unsere Arbeitswelt heute prägt, ein teures Unterfangen – eines, das immer deutlich höhere Kosten aufwirft, als durch die paar, sich dann zufällig wirklich als halbwegs rentabel herausstellenden Aktivitäten noch als Gewinn eingefahren wird.


Es bedarf, anders gesagt, Maßnahmen, die die Vielzahl der weltweit angebotenen Problemlösungsaktivitäten bis zu einen bestimmten Grad jenseits der Frage unmittelbarer Brauchbarkeit und Produktivitätsgewinn zu umfasse im Stande sind. Es bedarf Maßnahmen, die, zumindest bis zu einem bestimmten Niveau, gar nicht zu wissen versuchen, welche dieser Aktivitäten brauchbar, produktiv und damit wertvoll sein könnten. Es bedarf also Maßnahmen, die als solche so etwas wie einen „Korellationsteppich“ bereitstellen, auf dem ein bestimmtes Ausmaß an Spezialisierung stattfinden kann, ohne im Einzelnen auf seine Nachfragevermittlung angewiesen zu sein. Kurz, es bedarf eines Garantierten Grundeinkommens, das, gerade indem es nicht festzustellen versucht, für welche Aktivitäten es überhaupt bezahlt wird, die Weiterführung dieser und vieler anderer Aktivitäten ermöglicht.


Ein solcher Garantiertes Grundeinkommen stellt aus dieser Sicht keineswegs eine „revolutionäres“ mittel zum Totalumsturtz unserer Arbeits- und Wirtschaftswelt dar. Es erscheint vielmehr, ähnlich wie Geld und andere historische Korrelationsmedien, als evolutionär nahegelegte und in Anbetracht der fortschreitenden Spezialisierung historisch folgerichtige Einrichtung, die die Fortführung menschlicher Problemlösungsaktivitäten, kurz: die Fortsetzung unserer Arbeit ermöglicht. Es gibt daher eigentlich keinen Grund, es anders denn emotionslos zu betrachten.



Textauszug aus dem Buch:
Globale soziale Sicherheit
Grundeinkommen – weltweit?
Autor: Manfred Füllsack
Seiten 179 bis 180
Alle Rechte vorbehalten.
© AVINUS Verlag, Berlin 2006
Schönholzer Str. 2
12187 Berlin
www.avinus.de
ISBN 3-930064-61-8









h24-24stundenraum

-
aktiv







Befürworten Sie ein bedingungsloses,
garantiertes Grundeinkommen,
ohne Bedürftigkeitsprüfung oder Arbeitspflicht,
das an Individuen anstelle von Haushalten gezahlt wird
und unabhängig von irgendeinem Einkommen ist?

An der Umfrage teilnehmen
hier